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Die Versicherungsvermittlung ist in Deutschland seit Inkrafttreten der EU-Vermittlerrichtlinie vor einigen Jahren streng geregelt. Mit Makler, Mehrfachagent und Vertreter wurden drei verschiedene Vermittlertypen festgelegt, die sich in der Frage der Haftung jeweils unterscheiden. Die Unterschiede und ihre Folgen führen wir Ihnen im Folgenden aus.

Der Versicherungsvertreter – im Auftrag einer Gesellschaft unterwegs

In der Regel sind die Vertreter einer Versicherungsgesellschaft selbstständig, in einigen Fällen arbeiten sie auch im Angestelltenverhältnis, aber ihre rechtliche Position ist klar: Sie müssen die Interessen ihrer Gesellschaft vertreten und dürfen nur deren Produkte oder die des jeweiligen Verbundes vermitteln. Auf der anderen Seite werden Vertreter gerne mit einigen Befugnissen im Schadensfall ausgestattet, so kann die Regulierung eines Bagatellschadens oftmals direkt erledigt werden – was für viele Versicherte ein entscheidendes Argument ist. Allerdings ist die Haftungsfrage insbesondere im gewerblichen Versicherungsbereich nicht unwesentlich: Unterläuft dem Vertreter nämlich ein Beratungsfehler oder er versäumt es, wichtige Unterlagen weiterzureichen, und dem Versicherten entsteht daraus ein geldwerter Schaden, tritt die Versicherungsgesellschaft in die Haftung ein: Als Versicherungsnehmer hätte es der Unternehmer im Streitfall also mit einem Konzern zu tun, gegen den er seine Rechte durchsetzen müsste.

Der Mehrfachagent – vertritt mehrere Gesellschaften, haftet nicht selbst

Er wird gern mit einem Makler verwechselt, nimmt aber bei Weitem nicht dieselbe Position ein: Der Mehrfachagent agiert im Prinzip als Vertreter für mehrere Versicherungsgesellschaften. Das erweitert sein Produktportfolio, schließlich kann er aus einer größeren Auswahl die für den jeweiligen Versicherungsnehmer sinnvollen Versicherungsverträge zusammenstellen. Allerdings ändert dies nichts an der Haftungsfrage: Auch der Mehrfachagent tritt nicht selbst für seine Beratungsfehler ein, das übernimmt die jeweils betroffene Gesellschaft. Für die Versicherten steht wiederum eine Auseinandersetzung mit einem großen Versicherungsunternehmen im Raum, wollen sie Schadenersatzansprüche wegen fehlerhafter Beratung geltend machen.

Der Versicherungsmakler – Sachwalter des Kunden

Im Gegensatz zu den beiden anderen Vermittlertypen ist die rechtliche Position eines Versicherungsmaklers eindeutig geklärt: Er steht definitiv auf der Seite seines Kunden, arbeitet vollkommen unabhängig von den Versicherungsgesellschaften und muss für seine Fehler auch eigenständig die Haftung übernehmen. Als Vergütung erhält er eine erfolgsabhängige Provision von den Versicherungsgesellschaften, an die er Verträge vermittelt hat, oder ein im Vorfeld mit dem Kunden vereinbartes Honorar. Hier gibt es gerne Verwechslungen mit einem Versicherungsberater, der vermittelt allerdings keine Verträge, sondern führt nur Beratungsdienstleistungen durch.

Entsprechend der Vermittlerrichtlinie hat der Makler anspruchsvolle Aufgaben zu erfüllen, was angesichts der enormen Menge an Versicherungsgesellschaften und Tarifen nicht leicht ist. Dazu erhält er zum einen eine Vollmacht vom Kunden, um gegenüber den Versicherungsgesellschaften auch wirklich deren Interessen vertreten zu dürfen. Zum anderen regelt er das Vertragsverhältnis mit einem Maklervertrag, in dem seine Kunden ihn mit der Betreuung in verschiedenen Versicherungssparten beauftragen.

Die Beratung – gesetzlich vorgeschriebenen Umfang einhalten

Die EU-Vermittlerrichtlinie hat aber nicht nur diese unterschiedlichen Vermittlertypen festgelegt, sondern auch wichtige Regeln für eine Beratung definiert: Neben der Pflicht, sich in Bezug auf die eigene Position im Versicherungsmarkt und damit als Versicherungstyp eindeutig mit einer Erstinformation zu präsentieren, muss zunächst die Bedarfsermittlung durchgeführt werden. Dazu gehört es, dass die Wünsche und Bedürfnisse, aber vor allem die Ziele des Kunden besprochen und protokolliert werden.

Im nächsten Schritt sind die Versorgungslücken zu ermitteln, also die finanziellen Risiken, denen der jeweilige Kunde im Ernstfall ausgesetzt wäre. Die bestehenden Versicherungsverträge sind objektiv zu untersuchen – und zwar in Bezug auf die Qualität und in Bezug auf die Höhe der zu erwartenden Leistungen. Da die finanziellen Möglichkeiten meist nicht ausreichen, um alle Versorgungslücken komplett zu schließen, muss in der Beratung ein Kompromiss gefunden werden. Die Versicherungsverträge, für die sich der Kunde entscheidet, müssen dessen Vorgaben entsprechen – und hier liegt der entscheidende Unterschied:

Der Vertreter und auch der Mehrfachagent müssen an dieser Stelle klar darauf verweisen, dass sie nur die Produkte einer oder weniger Gesellschaften anbieten können. Der Makler wiederum ist verpflichtet, den Markt nach der geeigneten Auswahl abzusuchen, Vergleiche anzustellen und den optimal zu den Bedürfnissen und Ansprüchen seines Kunden passenden Vertrag anzubieten. Das ist natürlich eine anspruchsvolle Aufgabe, die nur mit Hilfe geeigneter Software gelöst werden kann – insbesondere bei den komplexen Tarifen, die sich nur sehr schwer vergleichen lassen.

Sämtliche Schritte und in der Beratung besprochenen Punkte müssen protokolliert werden – darauf haben die Versicherten ganz unabhängig von der rechtlichen Stellung des Versicherungsvermittlers Anspruch. So hätten sie im Ernstfall nämlich eine wichtige Grundlage, um ihre Schadenersatzansprüche durchsetzen zu können. Schon aus diesem Grund sollte ein Beratungsprotokoll immer akribisch geprüft werden.

Fazit: Vermittlertypen – eine Frage der Haftung

Die Unterschiede sind enorm, auch wenn sie im Versicherungsverkauf gerne bagatellisiert werden: Nur der Makler darf von Gesetzes wegen im Auftrag seiner Kunden agieren – alle anderen Versicherungsvermittler arbeiten im Interesse ihrer Gesellschaft/en. Das muss kein Nachteil sein, vor allem wenn eine Geschäftsbeziehung schon über Jahre besteht. Unterläuft jedoch ein Beratungsfehler, werden die verschiedenen rechtlichen Positionen der einzelnen Vermittlertypen wichtig: Der Makler muss selbst für seine Arbeit einstehen. Als Sachwalter des Kunden ist er dafür zuständig, dass dessen Interessen gewahrt werden – auch gegen die betreffende Gesellschaft.

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