Betriebsmittelfinanzierung Betriebsmittelfinanzierungen vermeiden Liquiditätsengpässe | @Helloquence | Unsplash.com

Betriebsmittel sind bekanntlich alle Ausgaben, die für die Aufrechterhaltung des laufenden Geschäfts benötigt werden. Doch was, wenn die Liquidität gerade eng ist oder aus anderem die Rechnungen für Betriebsmittel nicht rechtzeitig beglichen werden können? In diesem Fall ist es empfehlenswert, über einen Betriebsmittelkredit nachzudenken. Glücklicherweise existieren heute sehr viele verschiedene Möglichkeiten, eine solche Finanzierung anzugehen. Doch bevor sich jemand für einen entsprechenden Kredit entscheidet, sollte eine Analyse durchgeführt werden. Die folgenden Schritte helfen dabei, teure Fehler zu vermeiden.

Schritt 1: Gründe für den Liquiditätsengpass verstehen

Zunächst ist es wichtig, die Gründe für den Liquiditätsengpass genauer zu analysieren. Daraus ergibt sich nämlich, ob eine Finanzierung überhaupt sinnvoll ist. Typische Gründe für einen Betriebsmittelkredit sind dabei:

  • Umsatzschwankungen durch saisonale Effekte
  • Verzögerungen bei der Zahlung von Kundenrechnungen
  • Vorfinanzierung für größere Kundenaufträge mit hohem Umsatzpotenzial
  • Größere Einmalzahlungen wie Steuernachzahlungen

In solchen Fällen ist das Unternehmen grundsätzlich gesund. Zwar könnte mittelfristig das Liquiditätsmanagement verbessert werden, aber es gibt (noch) keine grundsätzlichen Zahlungsschwierigkeiten. Anders sieht es hingegen aus, wenn:

  • Ein eigentlich unrentables Geschäft noch weiter am Leben erhalten werden soll
  • Es keine Aussicht auf eine Verbesserung der Ertragslage gibt

Ist die Ertragsbasis generell angefressen, sorgt ein Betriebsmittelkredit zwar kurzfristig für Besserung, wiegt später aber umso schwerer, weil der Schuldenberg gewachsen ist und das Verhältnis aus Ausgaben und Einnahmen noch weiter verschlechtert.

Schritt 2: Finanzierungsbedarf ermitteln

In einem zweiten Schritt ist es wichtig, sich über den exakten Bedarf für die Betriebsmittelfinanzierung klar zu werden. Welche Ausgaben sind in der nächsten Zeit laufend zu stemmen, um das Geschäft weiterlaufen lassen zu können. Dazu gehören mitunter:

  • Personalkosten
  • Wareneinkauf
  • Rohstoffe
  • Mieten
  • Mittel zur Liquiditätssicherung
  • Mittel zur Forderungsfinanzierung
  • Ausgaben für das Marketing

Im digitalen Zeitalter werden natürlich auch immaterielle Vermögensgegenstände immer wichtiger. Dies können Inhalte für Webseiten und andere Online-Kanäle oder auch Lizenzgebühren für die Nutzung wichtiger Tools sein.
Wer am Ende den genauen Finanzbedarf kennt, hat Zahlen, mit denen er sich auf der Suche nach einem passenden Anbieter und der richtigen Finanzierungsform machen kann.

Schritt 3: Die richtige Kreditform auswählen

In Bezug auf Betriebsmittelfinanzierungen existieren heute viele verschiedene Möglichkeiten. Dazu gehören:

1. Herkömmliche Annuitätendarlehen
Viele Betriebsmittelkredite werden heute noch als Annuitätendarlehen vergeben. Dabei handelt es sich um die Standardkreditform für Privatpersonen und auch für Unternehmen. Die Besonderheiten liegen vor allem in folgenden Faktoren:

  • Gleichbleibende Raten über die gesamte Laufzeit hinweg
  • Zinsen und Tilgung während der Laufzeit
  • Verhältnismäßig günstig

Betriebsmittelkredite als Annuitätendarlehen sind bei vielen Banken erhältlich. Mittlerweile gibt es zudem auch immer mehr Online-Anbieter, die entsprechende Finanzierungen möglich machen. Der Zeithorizont ist dabei eher kurzfristig angelegt, so dass ein solcher Kredit innerhalb von 12-18 Monaten zurückgezahlt werden sollte.

2. Förderdarlehen
Heute existieren auch für Unternehmen sehr vielfältige Fördermöglichkeiten. Die bekanntesten Fördermittel stellen die vergünstigten Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) dar. Hierbei sticht für bereits am Markt etablierte Unternehmen der sogenannte Unternehmerkredit (Nr. 37) heraus.
Die Konditionen sind äußerst lohnend:

  • Effektiver Jahreszins deutlich unter Marktzinssatz
  • Bis zu 5 Millionen Euro für Betriebsmittel
  • 50% Haftungsfreistellung durch die KfW (optional)
  • Wahlweise als Annuitätendarlehen oder endfälliges Darlehen verfügbar
  • Laufzeiten zwischen 2 Jahren (endfällig) und 5 Jahren (1 tilgungsfreies Anlaufjahr)

Dieses Förderprogramm zeigt exemplarisch, dass Förderdarlehen sich heute durchaus im Bereich der Betriebsmittelfinanzierung lohnen können.

3. Sonderformen der Finanzierung
Es existieren heute immer mehr ergänzende Finanzierungsmöglichkeiten, die sich vor allem durch folgende Punkte auszeichnen:

  • Deutlich geringere Nachweisforderungen in Bezug auf die Bonität
  • Unkomplizierte und schnelle Kreditvergabe
  • Werden häufig vergeben

In diesem Zusammenhang sollten Unternehmer allerdings beachten, dass diese nicht selten höhere Zinssätze mit sich bringen als herkömmliche Betriebsmittelkredite. Flexibilität hat also gerade in der Unternehmensfinanzierung ihren Preis, jedoch kommt es hierbei auch sehr auf den jeweiligen Anbieter an.

4. Kontokorrentkredit
Der Kontokorrentkredit ist eine Kreditlinie, über die das jeweilige Unternehmen je nach Bedarf verfügen kann. Auch hierbei gilt jedoch: Die Flexibilität in der Nutzung ist mit höheren Zinskosten verbunden. Trotzdem kann eine Kreditlinie zum einen sehr beruhigend und zum anderen in Notsituationen äußerst hilfreich sein.
Wer sich aus den vorhandenen Finanzierungsarten die herausgesucht hat, die besonders gut zum eigenen Anforderungsprofil passt, sollte sich an die Anbietersuche machen. Auch diesbezüglich sind einige Punkte zu beachten:

  • Zinsen vergleichen: Die Zinskosten sind eines der wichtigsten Entscheidungskriterien überhaupt, weil sie auch über den zukünftigen finanziellen Spielraum entscheiden. Eine sehr teure Finanzierung schränkt die eigenen Handlungsmöglichkeiten in der Zukunft ein, da durch Zinsen und Tilgung weniger Geld für Investitionen zur Verfügung steht.
  • Flexible Tilgungsmöglichkeiten: Sondertilgungen sind gerade bei flexiblen, aber teuren Finanzierungsmöglichkeiten sehr wichtig. Wer den Betriebsmittelkredit jederzeit ohne Zusatzkosten zurückzahlen kann, spart dadurch Zinskosten. Aus diesem Grund sind kostenfreie Sondertilgungsmöglichkeit umso wichtiger, je höher der Zinssatz des Betriebsmittelkredits ausfällt.
  • Bonität: Sowohl die persönliche Bonität des Unternehmens als auch das Rating des Unternehmens spielen bei der Kreditvergabe un der Zinshöhe eine wichtige Rolle. Aus diesem Grund kann es sinnvoll sein, zusätzliche Sicherheiten wie wichtige Maschinen, Immobilien oder andere beleihbare Vermögensgegenstände des Unternehmens in die Finanzierung mit einzubringen. Dies sollte jedoch immer mit Bedacht geschehen, da es bei Zahlungsschwierigkeiten das Unternehmen noch tiefer in die Krise stürzt, wenn die Sicherheiten tatsächlich eingefordert werden.
Betriebsmittel finanzieren – so lassen sich Fehler vermeiden

Bild: Wenn alle wichtigen Vorbereitungen abgeschlossen sind, lässt sich eine passgenaue Betriebsmittelfinanzierung finden. Quelle: @ Helloquence / Unsplash.com

Fazit: Betriebsmittelkredite sind eine vorübergehende Hilfe

Wer als Unternehmer mit saisonalen Schwankungen seiner Umsätze zu kämpfen hat oder gerade einen großen Kundenauftrag vorfinanzieren muss, liegt mit einem Betriebsmittelkredit durchaus richtig. Bevor es jedoch an die Kreditangebote geht, sollte gecheckt werden, ob es sich tatsächlich nur um ein vorübergehendes Problem handelt. Sollte die Liquiditätsschwäche eher grundsätzlich sein, hilft ein Betriebsmittelkredit nur kurz. Nach der Bedarfsermittlung geht es darum, die richtige Kreditart für sich festzulegen. Wer auch dies geschafft, sollte die Anbieterwahl sorgfältig begehen und kann so eine günstige und passgenaue Betriebsmittelfinanzierung finden!