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Die Altersvorsorge gehört nach der Absicherung vorzeitiger Risiken, wie beispielsweise den Folgen einer langwierigen Erkrankung oder des Todesfalls, zu den wichtigen Themen für Selbstständige und Unternehmer. Angesichts des extrem niedrigen Zinsniveaus sind einige Vorüberlegungen angebracht.

Altersvorsorge – die verschiedenen Systeme

Die Einkünfte im Rentenalter stehen im Fokus der verschiedenen Systeme zur Rentenversorgung: Funktioniert die gesetzliche Rentenversicherung einkommensabhängig auf der Grundlage einer Solidargemeinschaft, in der die heutigen Beitragszahler für die Versorgung der aktuellen Rentenbezieher aufkommen, beruht die private Versicherungswirtschaft auf Eigenverantwortung. Versicherungsnehmer erhalten die Leistung auf der Grundlage einer individuellen Vereinbarung und Beitragszahlung. Für Unternehmer stellt sich zunächst die Frage nach der Sozialversicherungspflicht: Sind Freiberufler und Gewerbetreibende grundsätzlich von der Rentenversicherungspflicht befreit, können Gesellschafter-Geschäftsführer einer GmbH durchaus pflichtig bleiben. Eine belastbare Aussage kann nur eine detaillierte Prüfung, für die die Krankenkassen in Zusammenarbeit mit der Deutschen Rentenversicherung zuständig sind, erbringen. Sobald der Bescheid ergangen ist, gilt dieser verbindlich für alle Sozialversicherungsträger. Wird keine Sozialversicherungspflicht festgestellt, steht dem Geschäftsführer immer noch eine freiwillige Mitgliedschaft offen.

Entscheidung über Versicherungssystem gründlich überdenken

Es ist eine weitreichende Entscheidung, die Unternehmer in Bezug auf das bevorzugte System für die Sozialversicherungen zu treffen haben: Versprechen die privaten Kranken-, Lebens- und Rentenversicherungen zunächst eine Beitragsersparnis im Verhältnis zur Leistung, sind doch die konkreten gesundheitlichen Voraussetzungen dafür entscheidend. Sobald nämlich Vorerkrankungen vorliegen, wird die private Absicherung schwierig. Die Risikoabwägung und Beitragskalkulation der privaten Versicherungen beruht immer auf Wahrscheinlichkeitsrechnungen – gibt es risikoerhöhende Faktoren, schlägt sich das entweder in höheren Beiträgen oder im Ernstfall in einer Ablehnung des Versicherungsantrages nieder. Zwar wird in einer privaten Rentenversicherung auf eine Gesundheitsprüfung verzichtet, bei Berufsunfähigkeits- oder Todesfallversicherung, die immer Bestandteil einer umfassenden Absicherung sein sollten, wird umso strenger geprüft. Vor der Entscheidung, aus dem gesetzlichen Sozialversicherungssystem, das eine solche Selektion nicht kennt, auszuscheiden, sollten also die Konsequenzen überdacht werden.

Rendite und Risiko – sorgfältig gegeneinander abwägen

Die nächste Überlegung muss dem eigenen Risikoprofil in Bezug auf Geldanlagen gelten: Die klassischen Lebensversicherungsprodukte, die mit garantierter Verzinsung arbeiten, stehen angesichts der anhaltenden Niedrigzinsphase unter einem enormen Druck, überhaupt noch die zugesagten Renditen zu erwirtschaften. Die als Alternative in Frage kommenden fondsgebundenen Produkte können überdurchschnittliche Gewinne bringen – Garantien gibt es dafür nicht. Die ratierliche Bezahlung in Form von Monatsbeiträgen sorgt zwar durch den Cost-Average-Effekt durch eine Glättung der Kursschwankungen, was aber nicht über das zugrundeliegende Risiko hinwegtäuschen sollte. Der erste Schritt sollte also immer eine klare Risikoanalyse sein – und das bei jeder Form der Altersvorsorge: Anhand des Risikoprofils eröffnet sich dann die Auswahl der für den konkreten Anlegertyp in Frage kommenden Produkte. Um auch für konservative Anleger eine Rendite erwirtschaften zu können, empfiehlt sich die Splittung der Vorsorge auf verschiedene Anlagehorizonte und Anlageklassen.

Clever splitten – Rendite und Risiko optimieren

So empfehlen sich beispielsweise die sicheren und dadurch weniger rentablen Produkte, wie beispielsweise eine private Rentenversicherung, für eine lange Laufzeit und als sicherer Anlagestock. Die Ablaufleistung oder Monatsrente sollte dabei sehr vorsichtig kalkuliert werden, um nicht durch übersteigerte Erwartungen finanzielle Lücken im Alter zu provozieren. Wichtig ist, dass ein solcher Vertrag konsequent bedient wird – leider kündigen immer noch viele Versicherte vor Ablauf und müssen dann Verluste realisieren. Da die interessanten Möglichkeiten der betrieblichen Altersversorgung den meisten Freiberuflern und Gewerbetreibenden nicht offen stehen, könnte die Basis-Rente eine Alternative sein. Vorsicht ist in Bezug auf die restriktiven Vertragsbedingungen, beispielsweise die Vorschrift der Rentenauszahlung oder in der Frage der Hinterbliebenenversorgung, geboten. Vorteilhaft ist allerdings, dass sich ein solcher Vertrag flexibel gestalten lässt: Mit einem relativ niedrigen Monatsbeitrag können die Unternehmer zum Jahresende selbst entscheiden, ob ein zusätzlicher Einmalbetrag eingezahlt wird. Die steuerlichen Auswirkungen eröffnen nämlich einen interessanten Gestaltungsspielraum.

Höhere Risikoklassen – kürzere Laufzeiten

Im nächsten Schritt können etwas riskantere Produkte, beispielsweise Fondssparpläne, für einen mittelfristigen Zeitraum dazu kombiniert werden, um die Renditechancen zu erhöhen. In Frage kommen auch geschlossene Fonds, beispielsweise Infrastruktur- oder Immobilienfonds, die in der Regel eine Laufzeit zwischen zwei und zehn Jahren aufweisen. Allerdings sollte bei der Auswahl wieder auf das eigenen Risikoprofil zurückgegriffen werden: Je höher das Risiko gewählt wird, desto größer werden die Renditechancen. Für vorsichtige Anleger ist es trotzdem nicht sinnvoll, hochriskante Geldanlagen zu wählen, selbst wenn die Rendite dadurch niedriger ausfällt. Eine Altersvorsorge muss über viele Jahre durchgehalten werden, das gelingt nur, wenn sich der Versicherte damit wohlfühlt. Sollten die finanziellen Möglichkeiten es erlauben, können kleinere Beträge risikobewusster eingesetzt werden – ohne die Versorgung im Alter zu gefährden.

Fazit – Altersvorsorge für Unternehmer

Angesichts der Notwendigkeit, für das eigene Alter finanziell vorzusorgen, und der Fülle an Möglichkeiten, erfordert die umsichtige Planung einer Altersvorsorge einige Vorüberlegungen. Über die grundlegende Entscheidung für das Versicherungssystem hinaus spielt auch die eigene Risikostruktur eine wesentliche Rolle, da sie die Auswahl der in Frage kommenden Instrumente beeinflusst. Mit Splittung nach Laufzeiten und Risikoklassen lassen sich sowohl die Renditen als auch die Risiken optimieren: Die sichersten Produkte werden für die längste Laufzeit vereinbart, die riskanteren für einen mittleren oder kürzeren Zeitraum.

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